Das Selous Wildschutzgebiet - ein unterschätztes Juwel

Das größte Wildreservat Afrikas
Das Selous Game Reserve im Südosten von Tansania ist als das größte Wildreservat Afrikas bekannt. Mit einer Fläche, die doppelt so groß ist wie die Serengeti, gehört der Selous zurecht seit 1982 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Er gilt weltweit als einer der letzten verbliebenen Reste unberührter Natur, denn anders als in vielen anderen Reservaten oder Nationalparks, gibt es in diesem Gebiet keinen Ackerbau, keine Viehzucht und keine Besiedlung. Während viele Tierarten in anderen Regionen stark gefährdet sind, kommen hier Elefanten, Wildhunde und andere Tiere in großer Zahl vor.  

Im Herzen des Selous fließt der Rufiji Fluss, der größte Fluss Tansanias, und teilt das Reservat in einen nördlichen und südlichen Teil. Bislang waren nur 10% des Parks, nämlich das Gebiet ganz im Norden um den Rufiji River, für den Foto Tourismus geöffnet. Der weitaus größere Teil im Süden bestand aus rund 40 Jagdkonzessionen, weshalb der Selous auch kein Nationalpark einschloss.

Die Einzigartigkeit des Selous

Obwohl die meisten wegen der nördlichen Nationalparks nach Tansania angezogen werden, ist der Selous im Süden ein Schatz für sich und eines der erstaunlichsten Wildreservate auf unserem Planeten. Die wenigsten wissen, dass er die höchste Krokodil- und Wildhundkonzentration in Afrika aufweist. Auch die Vegetation des Parks ist für Tansania einzigartig und bietet eine außergewöhnlich große Vielfalt an Lebensräumen, darunter Miombo-Wälder, offene Wiesen, Flusswälder und Sümpfe. Der Park ist von Palmen übersät und von den Kanälen des Rufiji Flusses durchzogen.  

Im Selous gibt es vielfältigere Aktivitäten als in vielen anderen Nationalparks, sodass Sie die natürliche Umgebung aus verschiedenen Perspektiven erleben können. Zu Fuß kommen Sie der Natur sehr nahe und entdecken Dinge, die Sie vom Fahrzeug aus nicht immer sehen können. Die Gegend selbst bietet einige der besten Wandersafaris in Afrika. Mit dem Boot entlang des Rufiji Flusses zu fahren ist ebenso ein lohnenswertes Erlebnis, besonders abends, wenn Sie die wunderschönen Sonnenuntergänge, Wasservögel und, wenn Sie Glück haben, Elefantenüberquerungen beobachten können. 

Die Gründung des Nyerere Nationalparks

Seit November 2019 gehört der Selous in seiner bisherigen Form allerdings zur Vergangenheit, denn das Selous Wildreservat wurde nun in zwei Teile geteilt. Rund 30.000 km² Fläche wurden aus dem insgesamt knapp 55.000 km² großen Selous Wildschutzgebiet abgetrennt und mit einem Nationalpark Status versehen. Dieser neu entstandene Park, Nyerere Nationalpark, wurde nach dem ersten Präsidenten in Tansania, Julius Nyerere, benannt.

Mit nur 8.000-10.000 Besuchern pro Jahr galt der Selous bisher als Geheimtipp unter Afrikakennern und erzielte durch den Safari-Tourismus weniger Einnahmen als mit seinem legalen Jagdtourismus in den südlichen Teilen des Parks. Durch die Teilung und Gründung des Nationalparks ist das Gebiet für den Tourismus deutlich größer geworden. Durch die Gründung erhofft man sich den hier lebenden Wildtieren einen besseren Schutz zu gewähren, aber auch höhere Tourismuseinnahmen zu erzielen.

Der umstrittene Bau des Staudamms

Die tansanische Regierung plant seit Jahren im Selous Schutzgebiet den Bau eines Staudamms, um sich die Wasserkraft für die Stromversorgung in Tansania zunutze zu machen. Das Projekt ist zwar umstritten, aber die Unterkünfte liegen weit weg genug von den Bauarbeiten entfernt. Trotz der negativen Stimmen, sind wiederum positive Stimmen der Meinung, dass eine verantwortungsvolle Regierungsführung bei der Bekämpfung von Wilderei von Vorteil sein könnte. Durch die größere Aufmerksamkeit und Frequentierung, die durch den Bau des Staudamms entsteht, sei man zuversichtlich, dass sich dies für den Schutz der Elefanten- und Wildtierpopulation positiv auswirke.

Immerhin sind die Nationalparks Lower Zambezi und Mana Pools in Simbabwe ein positives Beispiel dafür, dass die Errichtung des Kariba Staudamms sich nicht negativ für die Tierwelt ausgewirkt hat, denn beides sind auch heute noch starke und äußerst wildreiche Nationalparks. 

Büffelherde im Selous
Bootsfahrt auf dem Rufiji Fluss im Selous Game Reserve
Der Selous hat die höchste Konzentration an Wildhunden