Vergiftete Wüstenlöwen- Konflikt zwischen Menschen und Wildtieren

Heike van Staden - 25. Juli 2011 - 23:14

Vergiftete Wüstenlöwen in der Kunene Region
Vor paar Tagen habe ich eine Nachricht von einem Bekannten auf Facebook bekommen die  mich sehr getroffen und auch sehr beschäftigt hat. Seit einer Weile bemühe ich mich darum eine Projekt in der Kunene Region bekannter zu machen, von dem ich sehr überzeugt bin.
Die Kunene Region ist das nordwestliche Namibia - wohl die noch unberührteste Region, des ohnehin unsagbar dünn besiedelten Landes. Die Kunene Region ist mir schon aus meiner Kindheit durch Erzählungen meiner Eltern bekannt und sie hatte für mich immer etwas sehr faszinierendes an sich. Damals wurde die Region noch "nördliches Kaokoveld" genannt, aufgrund der Geschichte ist dieser Name aber nicht mehr so beliebt.Ich habe die Kunene Region auf einer meiner zahlreichen Namibia Reisen selbst mit meinem Mann und meinen Kindern bereist. Kunene ist unsagbar trocken und sehr unzugänglich. Es gibt selbst für Geländewagen oftmals keine passierbaren Straßen. Sie ist eine von den Regionen in denen man noch wirklich wild campen kann  und in der auch an deine "Offroad"-Fahrtechnik hohe Ansprüche gestellt werden. Man sieht tagelang keine weiteren Menschen,- endlose Weiten und karges, wunderschönes Land mit erstaunlichem Wildleben. Wildleben, welches sich an diese trockene Region angepasst hat. Das unglaubliche ist, es sind die Tiere die man auch im üppigen Okavango Delta sieht. Löwen, Elefanten, Nashörner, Hyänen und auch natürlich die oft viel zäheren Antilopen und Reptilien.Aber diese Tiere leben unter extrem harten Bedingungen. Nicht nur gegen die harten Lebensbedingungen kämpfen die Tiere hier,- nein, sie kämpfen auch gegen die wenigen Menschen mit denen sie diese Region teilen- und diese gegen sie. Es ist ein Kampf der nicht gut und böse kennt. Es ist ein purer Überlebenskampf für beide Seiten. Europäer haben meist keine Vorstellung mehr was es heißt, sich um seine Existenz zu fürchten. Ich rede dabei nicht von einem besseren oder schlechteren Lebensstandard, sondern ich rede vom bloßen Überleben. Wenn man in bestimmten Regionen in Afrika lebt, ist das Leben ein täglicher Kampf, nicht nur weil man Lebensmittel und Wasser beschaffen muss . Es ist ein Kampf weil man gegen mehr Gewalten als nur den reinen Hunger und Durst ankämpfen muss. In Afrika leben wilde Tiere. Ich weiß ich erzähle hier Keinem neue Erkenntnisse, aber ich frage mich wie viele wirklich darüber nachdenken, wenn sie in Afrika unterwegs sind.Vielen Menschen die nach Afrika in den Urlaub fahren ist nicht klar, dass die wunderschönen Tiere, die man auf Safari betrachtet mehr sind als nur "wilde Tiere". Sie sind auch lebensbedrohend, wenn man nicht in einer sicheren Lodge wohnt oder auf einem gesicherten Campingplatz, von dem die Tiere durch Wächter, oder Zäune fern gehalten werden. Wenn man in Regionen wie der Kuneneregion wohnt, dann kann es sein, das dem Kind auf seinem Schulweg ein Löwe über den Weg läuft und wenn er hungrig ist, dann ist das Kind nicht besser oder schlechter als ein Springbock. Die Himbas, die größtenteils in der Kunene Region leben, sorgen sich täglich um das Schicksal Ihrer Kinder. Es geht nicht um Schulhof Prügeleien sondern darum ob das Kind heil zur Schule und zurück kommt.  Aber auch das ist nur eine Sorge. Die Himbas sind pastorale Halbnomaden. Ihre Rinder, Ziegen und Schafe sind ihr Reichtum, ihr Lebensunterhalt und ihr ganzer Stolz. Wenn die Löwen die Haustiere reißen, dann bedeutet das für die Himbas, dass ihr Lebensunterhalt gefährdet ist, dass Löwen sich in der Umgebung wohl fühlen, denn Haustiere haben anders als Wildtiere die Eigenschaft an Ort und Stelle zu verweilen und nicht fortzuziehen wenn die Region zu gefährlich wird. Das ist für wilde Raubtiere wie Löwen im wahrsten Sinn des Wortes, ein gefundenes Fressen, denn Haustiere sind deutlich widerstandloser, hilfloser als wilde Beutetiere. Es bedeutet aber auch, dass Kinder und Erwachsene einer ständigen Bedrohung um Ihr Leben ausgesetzt sind.Lebt man ein Leben in einer Himba Gemeinde, dann ist der Löwe nicht das großartigste Raubtier auf Afrikas Boden und auch nicht der König der Tiere.  Der Löwe ist eine Bedrohung für Familie und Haustiere und man will ihn nicht in seinem Umfeld haben. Wer die Hatz auf Bruno den Bären in Deutschland mit verfolgt hat, oder den Widerstand der Bauern in Sachsen gegen die ersten rückkehrenden Wölfe, der weiß, dass lebensbedrohende Wildtiere dann geduldet werden können, wenn sie dem eigenen Leib und Eigen nicht gefährlich werden. Das ist aber in der Kunene Region nicht der Fall.Vor vier Tagen wurde der Rest eines Rudels Löwen vergiftet aufgefunden. Eigentlich war es kein Rudel mehr, sondern die letzten Mitglieder des Rudels, genannt Morada, Tawny und Maya- die letzten Löwinnen des Hoaruseb Rudels. Die männlichen Löwen Leonardo, Crimson und Indigo waren bereits vor paar Monaten von Unbekannten erschossen worden. Die Wüstenlöwen sind eine ganz besondere Spezies in Afrika und extrem selten. Sie sind an die unglaublichsten Lebensbedingungen angepasst und leben unter den härtesten Bedingungen. Es gibt einen Forscher in Namibia, der sich seit 1998 für das Überleben der letzten Wüstenlöwen einsetzt. Dr. Philipp Stander, der seinen Doktor der Biologie (Zoologie) in Cambridge machte und seit über 23 für das namibianische Ministerium für Umwelt und Tourismus arbeitet. Er forscht und beschützt seit 13 Jahren Jahren die Löwen in der Kunene Region. Er kennt alle Löwen in dieser Region mit Namen und seine Vision ist es, die größte Gefahr für diese seltene Spezies von Löwen zu beseitigen. Seit 13 Jahren kämpft er dafür den "Human Wildlife Conflict" (Konflikt zwichen Mensch und Wildtieren) zu lösen. Der 10 Juli, als die 3 Löwinnen und auch einige andere Tiere wie Schakale und Hyänen vergiftet aufgefunden wurden, war ein Rückschlag der sicherlich schwer zu verkraften ist für Dr. Stander und sein Team. Insbesondere dieses Löwenrudel war seit 4 Jahren unter genauester Beobachtung. Unzählige Anstrengungen seiner Organisation "Desert Lion" waren in die Aufklärung der lokalen Bevölkerung über Wildtiere, in den Schutz der Menschen und auch der Löwen geflossen. Der Versuch die Wertschätzung der Wildtiere zu erhöhen indem die lokale Bevölkerung von den touristischen Besuchen direkt profitiert und in den Schutz mit einbezogen wird scheinen für ein paar Tage nutzlose Aufklärungsarbeit gewesen zu sein. Die Löwen wurden mit Strychnin vergiftet und es wird nicht gerätselt wer diese Taten zu verantworten hat. Es gibt Tage an denen man sich als Naturschützer sicherlich fragt, warum das alles? Aber nur weil es Organisation wie das Projekt „Desert Lion“ gibt, nur deswegen haben die Löwen in Kunene eine Überlebenschance. Nur deswegen ist auch das Nashorn dort wieder anzutreffen, dezimiert sich nicht mehr die Anzahl der Wüstenelefanten, nur deswegen bleibt Kunene was es einmal war und was es bleiben soll. Ich fühle mit dem Team Desert Lion und ich hoffe sie verstärken ihre Anstrengungen und lassen sich von diesen Rückschlägen nicht abhalten dafür zu kämpfen wovon sie überzeugt sind.Ich wollte mich immer persönlich im Naturschutz in Afrika engagieren. Das muss leider noch warten. Aber ich weiß dass es touristische Projekte gibt die genau das erhalten,  was wir an Afrika so lieben. Die Natur, die Wildnis und eben die unvergleichliche Tierwelt. Man involviert bewußt interessierte Menschen als Besucher in diese Projekte, weil sie mit ihrem Geld den Naturschutz mit finanzieren, aber auch weil sie die Botschaft nach draußen tragen, das Gelernte und Beobachtete teilen.
Nur durch Umweltschützer wie Dr. Philipp Stander haben Menschen in der Kuneneregion ein Sprachrohr für ihre Rechte auf Sicherheit, aber auch die Wildtiere eine Überlebenschance. Projekt „Desert Lion“ (www.desertlion.info )  und andere vergleichbare Organisationen (Kunene Conservancy Safaris) http://www.elangeni.de/namibias-letzte-wildnis-kunene-wildlife-culture.html, setzen sich 100% ehrenamtlich für den Erhalt der Region und seiner Wertschätzung ein. Solange ich "nur" im Tourismus arbeite, will ich mich bemühen weiterhin diejenigen zu unterstützen, die das Erhalten was mir am wichtigsten ist. Das Gleichgewicht zwischen Mensch und Natur in Afrika.

Foto Wüstenlöwe Kunene
Foto Himbafrau und Kind