Reisen in Ostafrika während der Hungersnot
Heike van Staden - 8. August 2011 - 11:49
In letzter Zeit haben wir viele Anfragen für Kenia, Äthiopien oder sogar Tanzania bekommen, die dann doch wieder zurückgezogen wurden aufgrund der Hungersnot in Ostafrika. Die Medien sind gerade voll von Spendenaufrufen und auch von erschreckenden Bildern von insbesondere Somalia und den Grenzbereichen nach Kenia. Wir selber haben auch zu Spenden aufgerufen und senden Spenden an die Hilfsorganisationen wie "Aktion Deutschland hilft". Berechtigter Weise werden wir aber gleichzeitig mit Bedenken derjenigen konfrontiert, die entweder eine Reise nach Ostafrika planten und nun wegen der erschreckenden Bilder davon Abstand nehmen wollen. Aber auch von Kunden die bereits Reisen fest gebucht haben und sich nun nicht sicher sind, ob es richtig ist, nun in die Region zu Reisen von der gerade über die schlimmen Zustände und die extreme Armut der Menschen berichtet wird. Wir haben großes Verständnis für die Sorge, denn wer reist denn gerne komfortabel durch ein anderes Land, wohnt in schönen Lodgen mit gutem Essen, während die Menschen im gleichen Land verhungern. Die Vorstellung wirkt dekadent und abstoßend. Da stimme ich generell zu. Allerdings muss hier dringend auf folgende zwei Punkte hingewiesen werden: 1. Die Hungersnot beschränkt sich weitestgehend auf das "Horn von Afrika" mit Schwerpunkt in Somalia, einigen Teilen Äthiopiens und dem äußerst dünn besiedelten, wüstenartigen Norden Kenias. 95% der von Touristen besuchten Regionen- sind von keiner Dürre betroffen. Im Gegenteil, im Westen und Süden ist ausreichend Regen gefallen und die Ernten sind gut - nicht schlechter als in den Vorjahren. Kenia wehrt sich gegen die, sicherlich notwendige, aber nicht ganz zutreffende Medienberichterstattung, dass das Land in einer Ernährungskatastrophe steckt. Es versucht darauf aufmerksam zu machen, dass Kenia hauptsächlich deswegen in den Schlagzeilen ist, weil es das Auffanglager für Flüchtlinge aus Somalia- Dadaab- beheimatet. Dieses ist in Kenia angesiedelt, weil es hier die nötige Infrastruktur gibt, die Menschen mit den nötigen Lebensmitteln und Medikamenten zu versorgen, anders als in Somalia, wo die rivalisierenden Bürgerkriegsparteien eine UN Hilfe ablehnen und als "westliche Propaganda" deklarieren. Kenia selbst ist nur in kleinen Teilen des Landes mit der Dürre und seinen Folgen betroffen und Touristen werden damit nicht direkt konfrontiert. Tanzania hat keinerlei Dürre, auch Uganda nicht nennenswert und Äthiopien nur in bestimmten Bereichen, wo hingegen andere weitestgehend unberührt sind. Soviel dazu ob man mit der Not konfrontiert würde.
2. Viel wichtiger aber, als direkt damit konfrontiert zu sein ( und ich denke auch, dass ist weniger die Sorge der Menschen die nachfragen oder ihre Reiseanfrage zurückziehen) ist die Sorge, dekadent und gefühllos zu sein. Die Menschen können sich zu recht nicht vorstellen, komfortabel in einem Land der Not und Misstände zu reisen und es sich "gut gehen zu lassen". Aber ich will Sie bitten sich die Alternative anzusehen. Die Wirtschaft in Kenia, Tanzania und auch Äthiopien hängt mittlerweile sehr stark vom Tourismus ab. Die Länder haben sich in den letzten Jahren zu Destinationen entwickelt die immer mehr Arbeitsplätze im Tourismus schaffen konnten, weil die Nachfrage für Urlaubsreisen von Jahr zu Jahr wächst. Es wurde viel in den Tourismus investiert und er ist der große Hoffnungsschimmer der betroffenen afrikanischen Länder, den Anschluss an die viel stärkeren Industrienationen der Nordhalbkugel zu schaffen. Ostafrika bietet einen unglaublichen Reichtum an Natur, Wildleben, Kultur und unvergleichliche Strände und diese "natürlichen Resourcen" nutzen der Wirtschaft dieser Länder, um insbesondere in die Regionen Geld zu bringen die sonst nicht viele Rohstoffe oder sonstige wirtschaftlich relevanten Faktoren bieten. Tourismus ist ein sehr, sehr wichtiger Wirtschaftsfaktor in diesen Ländern geworden und er schafft von Jahr zu Jahr mehr Arbeitsplätze, mehr Ausbildungsmöglichkeiten und mehr Steuereinahmen, wichtige Steuern mit denen die Regierungen dieser Länder insbesondere auch Naturkatastrophen wie diese ausgleichen können. Wenn Sie wegen der Dürre von Ihrer Ostafrika Reise absehen, dann helfen Sie den Ländern weniger, als dass sie ihnen schaden. Afrika braucht den Tourismus als Wirtschaftskraft und sinkende Touristenzahlen bedeuten fehlende Einnahmen in den Steuerkassen, Arbeitsplatzverluste und mehr Menschen in "Not".
Bitte bedenken Sie dieses, wenn Sie mit dem Gedanken spielen Ihre Ostafrika Reisepläne zu verwerfen oder bestehende Reisen sogar abzusagen. Dies ist auch Teil von "verantwortungsvollem Tourismus".(Übrigens auch wenn wir Griechenland nicht als Reiseland vertreiben- kann ich für dieses Land nur ähnliches sagen- auch dieses Land könnte unter den gegebenen Umständen Touristenzahlen sehr gut gebrauchen!)


