der perfekte Mord
Christoph Faust - 4. August 2010 - 16:10
Die Römer waren bereits von der Anziehungskraft eines Kampfes auf Leben und Tod zwischen wilden Tieren fasziniert, und schafften tausende von Wildtieren unter immensem Aufwand und unter hohen Verlusten bei Mensch und Tier aus den Ebenen Afrikas in die Arenen des Reiches, um sie dort – neben den bekannten Kämpfen Mensch gegen Mensch und Mensch gegen Tier – zur Unterhaltung der dekadenten Bürger gegeneinander kämpfen zu lassen . Dies geschah in einem Ausmaß, das bis heute Auswirkung auf die Populationen verschiedener Spezies in vielen Regionen Afrikas hat.
Der sich mir nicht erschließende Reiz der „Trophäenjagd“ hat seit Beginn der Kolonialisierung weitere und dramatischere Dezimierungen der Wildbestände mit sich geführt, aber das Blatt hat sich zum Glück gewendet: Heute werden die Wildtiere Afrikas vorwiegend mit der Kamera gejagt – und genau das garantiert das Überleben vieler Spezies und den nachhaltigen Erhalt ihres Lebensraumes. Immer mehr Flächen werden zu Nationalparks erklärt, die Wildtierpopulationen wachsen, Tendenz: Anhaltend.
In den Weiten Afrikas spielen sich täglich Dramen ab beim Kampf um Leben und Tod – und wir sind der Faszination dieses „Schauspiels“ immer noch vollkommen erlegen. Es gehört zu den ultimativen Highlights einer Safari, einen „kill“ live zu erleben. Für das getötete Individuum mag es zwar keinen Unterschied bedeuten, ob es aus Profitgier, zur „Unterhaltung“ oder eben als Folge seiner Rolle in der Nahrungskette stirbt, aber für das Öko-System in- und außerhalb der Nationalparks Afrikas durchaus.
Angesichts der unzähligen, täglichen Beutezüge der Großkatzen müsste ganz Afrika überseht mit Skeletten sein, aber dem ist nicht so, denn der Leib eines erlegten Tieres wird innerhalb eines intakten Öko-Systems vollständig verwertet. Haben Löwen z.B. einen bis zu 800kg schweren Büffel erlegt, vertilgt das Rudel innerhalb von nur zwei Tagen den größten Teil des Fleisches – bis zu 35kg pro Tier, pro Tag. Sind die Löwen dann bis zur Bewegungsunfähigkeit gesättigt, kommen die Schakale, Geier und Hyänen, letztere zerbeißen mit Ihren kräftigen Kiefern problemlos armdicke Knochen und Ihr robuster Verdauungstrakt verarbeitet das Knochenmark und die Knochen selbst gleich mit. Den Rest erledigen dann fleischfressende Käfer, Ameisen und Kleinstorganismen. Nach wenigen Wochen erkennt ein geübtes Auge lediglich anhand der ganz leicht veränderten Vegetation, die teils von der Bluttränke profitiert, teils in Mitleidenschaft gezogen wird, den Ort als einen solchen, an dem eine blutige Tat stattfand. Auch mit modernsten forensischen Untersuchungen ließe sich weder die Identität des Opfers, noch der Hergang der Bluttat rekonstruieren – der perfekte Mord.
Mit einer Reise nach Afrika und der Teilnahme an einer Safari unterstützen Sie den Erhalt dieses unerbittlichen, faszinierenden täglichen Kreislaufes der Natur und tragen zum Fortbestehen der Fauna und Flora dieses Kontinents bei, denn die angeborene Faszination der Menschen - auch an einem blutigen Schauspiel - ist zwar tragisch für das individuelle Opfer, aber Grundlage für die Erhaltung der Art.

