Man könnte meinen, dass man nach 13 Jahren und zig Afrika Reisen mit entsprechend vielen Safaris schon so gut wie alles gesehen und erlebt hat und vielleicht eine gewisse „Routine“ aufkommen kann. Auf mich persönlich trifft das allerdings auf keinen Fall zu, denn Afrika schafft es immer wieder mich erneut zu begeistern und zu beeindrucken und es kommt nie auch nur das allerleiseste Gefühl auf im Sinne von „hab ich alles schon gesehen – können wir bitte weiterfahren“.

So erging es mir auch bei meiner letzten Reise nach Simbabwe im Mai diesen Jahres und hier stand sogar auch tatsächlich zu Beginn der Reise in den Hwange Nationalpark ein ganz neues Erlebnis – die Fahrt mit einem alten Zugwagon, dem Elephant Express – auf dem Programm. Aber dazu gleich mehr. Zunächst einmal ein paar wirklich beachtliche Fakten zum Hwange Nationalpark: Der Park ist eines der bedeutensten Wildschutzgebiete des Landes und gleichzeitig der größte Nationalpark Simbabwes. Er beeindruckt durch eine unglaublich dichte Tierpopulation mit z.B. etwa 45.000 Elefanten. Im Vergleich zum Krüger Nationalpark, der ein Fläche von etwa 20.000qkm hat und 2015 etwa 1,3 Mio. Besucher gezählt hat, waren im Hwange Nationalpark mit einer Größe von gut 14.000 qkm nur etwa 40.000 Besucher. Somit sind fast ganzjährig private und weitestgehend ungestörte Tierbeobachtungen möglich, was für mich nach all den Jahren ein ganz entscheidendes Qualitätskriterium bei Safaris ist.

Mein Safariabentuer in den Hwange beginnt nach zwei erlebnisreichen Tagen in Victoria Falls und per Autotransfer gelangen wir auf einer gut ausgebauten und insgesamt wenig befahrenen Teerstraße bis in das kleine Städtchen Dete. Dort wartet bereits der Elephant Express auf uns, ein alter Zugwagon der von Imvelo vor zwei Jahren komplett umgebaut und modernisiert wurde. Seit mehr als 20 Jahren gab es keine Möglichkeit Besucher in den südöstlichen Teil des Nationalparks auf Schienen zu bringen. Dies hat sich mit der Einführung des Elephant Express geändert, der nun zwischen Dete und den beiden Imvelo Lodges - Bomani Tented Lodge und Camelthorn Lodge - in Hwange verkehrt. Aus eigener Erfahrung kann ich nun sagen, dass dies wirklich ein großartiges Erlebnis ist. Es können max. 22 Gäste den Zug besteigen und auf gemütlicher Fahrt geht es entlang der nördlichen Grenze des Parks bis zu unserer Safarilodge. Die Fahrt dauert – je nach Tiersichtungen unterwegs – etwa 2 Stunden und wir werden bei Ankunft mit einem köstlichen Lunch erwartet; für kalte Getränke ist ebenfalls gesorgt und es gibt an Bord auch eine kleine chemische Toilette. Die Sitze sind äußerst komfortabel und es gibt ausreichend Platz für das Gepäck. Es wurde hier wirklich an alles gedacht und wir können die Fahrt in vollen Zügen genießen. Unterwegs sehen wir Giraffen, Zebras, Gnus, Warzenschweine und in einiger Entfernung sogar auch schon einige erste Elefanten – ein kleiner Vorgeschmack auf die kommenden Tage im Hwange. Der Zug stoppt natürlich, wenn sich Tiere in der Nähe aufhalten und man kann in Ruhe Fotos machen und sich im ganzen Wagon frei bewegen. Meine erste Pirschfahrt auf Schienen und ich bin begeistert! Besonders schön ist die Fahrt entlang der Ngamo Plains, einer weiten, mit vielen Palmen durchzogenen Ebene und landschaftlich sicher eine der schönsten Regionen im ganzen Nationalpark.
Kurz vor unserem Endpunkt der Zugfahrt bricht auf einmal so etwas wie Hektik im Wagon aus, was äußerst ungewöhnlich ist in Afrika, und eigentlich nur eines bedeuten kann: Tiere! Schnell packen wir unser Handgepäck, nehmen auf Anweisung unseres Guides unsere Kameras gleich in die Hand und springen noch ehe der Zugwagon vollständig hält ab und steigen um auf die offenen Safarifahrzeuge, die bereits schon auf uns warten.

Wir fahren sofort los und nach etwa 5 Minuten Fahrt sehen wir vor uns den Grund für die Hektik: Eine Gepardin mit Nachwuchs, 4 Jungtiere die etwa einen Monat alt sind. Nur wenige hundert Meter von unserem Fahrzeug entfernt hat sich die Mutter mit ihrem Nachwuchs unter einem schattigen Busch versteckt und ist natürlich sehr wachsam und auch etwas nervös. Wir halten aber Abstand und so kommen wir in den Genuss, die kleinen Jungtiere eine ganze Weile zu beobachten. Die Mutter ist bekannt bei den Guides und hat schon in der vergangenen Jahren immer wieder erfolgreich zum Bestand der Gepardenpopulation in dieser Region von Hwange beigetragen. Wir hoffen natürlich alle sehr, dass sie ihre Jungtiere sicher und geschützt großziehen kann – aber auch das gehört eben zu Afrika, der Stärkere gewinnt und der Kreislauf von Leben und Sterben nimmt unnachgiebig seinen Lauf.

Gleich am nächsten Tag wartet dann noch ein weiteres – und für mich auch wieder neues Safarierlebnis – auf uns. Nach unserer Morgenpirschfahrt und einem leckeren Brunch unter einem schattigen Baum stoßen wir auf unserem Rückweg auf ein Rudel Wildhunde, nur etwa 500m von unserer Lodge entfernt. Allein die Sichtung dieser stark vom Aussterben bedrohten Tiere ist an sich schon spektakulär genug, aber unser Guide Sibs möchte von uns wissen, ob wir den Wildhunden noch etwas näher kommen möchten. Ein paar von uns sind sofort dabei und wir steigen mit ihm gemeinsam aus dem Fahrzeug aus. Wir setzen uns auf den Boden und kriechen buchstäblich über den staubigen und stacheligen Boden, ganz langsam Stück für Stück und halten immer wieder inne, um die Tiere nicht zu verschrecken. Es ist mühsam und die afrikanische Mittagssonne brennt auf unsere Köpfe, dennoch ist es jede Sekunde wert. Mal nicht im Auto zu sitzen und die Tiere so zu beobachten, ändert komplett den Blickwinkel und natürlich fühlt man sich sofort eher als potentielle Beute denn als reiner Beobachter. Gerade diese Erfahrung bringt mir aber immer wieder ganz nah, wie glücklich ich mich schätzen darf, dies alles regelmäßig zu erleben und in Afrikas Tierwelt eintauchen zu dürfen.

von Stefanie Klein