Gerade habe ich ein Buch beendet welches eigentlich nicht viel mit Afrika zu tun hat. Vielmehr geht es um das Schicksal einer Arbeiterfamilien im Londoner East End im anbrechenden 20. Jahrhundert aber auch um die Kolonialpolitik Großbritanniens.

Eigentlich somit kein Buch, dass in den Kontext meines Afrika-Newsletters passt. Aber im letzen Drittel geht es um Britisch Ostafrika, heute Kenia und Uganda. Ein nur kleiner und nicht wirklich bedeutender Teil des Buches spielt also in der Region um das heutige Nairobi, Mount Kenya und den Kilimanjaro. Einer der Protagonisten äußert dabei folgende Stellungnahme:

“ (Africa) is extraordinary. I think the most amazing thing of all is the freedom. It is not just a word here, is it? It’s a concrete thing. You can see it, same as the endless sky, or hear it, like the thundering of zebra. And feel it, like you do the sun on your back. I honestly don’t think, I’ve ever felt so free anywhere I’ve been - not even Antarctica - as I do here.”
(The winter rose- Jennifer Donnelly)

Natürlich haben mich diese Zeilen besonders angesprochen, weil die Schriftstellerin es so treffend auf den Punkt bringt.
Weil sie das beschreibt und in Worte fasst, was so viele empfinden wenn sie den Kontinent zum ersten Mal erleben, ohne in der Lage zu sein es selbst zu erklären, geschweige denn zu formulieren.

Gemeint ist dabei allerdings nicht, dass man Dinge mangels Regulierungen, einfach machen kann. Das trifft sicherlich teilweise zu, ist aber nicht das Freiheitsgefühl welches hier beschrieben wird.

Es sind vielmehr die Dinge, die in Afrika nicht geschehen sind, die Natur die nicht bezwungen wurde und die Menschen die sich nicht dem ausschließlichen Fortschritt verschrieben haben.
Nicht weil sie es nicht konnten. Weil sie es nicht mussten.
Weil Afrika so viel hergibt, dass eine Entwicklung hier nicht die Zukunft bedingt.

Dafür erscheint das Land, welches sich vor einem ausbreitet meist unbebaut und endlos zu sein und ist in seiner floristischen und faunischen Vielfalt nicht zu übertreffen. Meiner Meinung nach ist es auch in seiner Schönheit nicht zu überbieten, aber dies ist natürlich meine subjektive Meinung.

Es gibt viele Theorien darüber, warum Afrika (gemeint ist Subsahara-Afrika) sich nicht weiterentwickelt hat. Auf die arrogante Begründungstheorie der Kolonialisten vor 500-200 Jahren will ich hier gar nicht eingehen, da sie ohnehin lange überholt ist.

Überzeugender fand ich immer die Theorie, dass (Subsahara-)Afrika es in großen Teilen auch nicht musste. Es gab in vielen Regionen vieles im Überfluss. Das Klima erlaubte zwar keine lange Haltbarkeit von Lebensmitteln, aber dafür erzeugte es auch ganzjährig Früchte.
Auch besteht kein Grund, dass Tiere sich in den Winterschlaf zurückziehen, so dass es kaum Zeiten des Mangels gibt. Zu bejagende Tiere gab es in Hülle und Fülle.
Auch die Temperaturen variieren nicht so stark dass man monatelang Schutz vor der kalten Witterung suchen muss. Natürlich gibt es sicherlich noch viele andere Aspekte die man zur Begründung heranziehen könnte.

Aber weswegen fragen wir überhaupt eigentlich immer “warum Afrika sich nicht entwickelt hat”,
anstelle zu fragen, warum wir uns entwickeln mussten?
Ist es nicht Afrikas Ursprünglichkeit, die den besonderen Reiz des Kontinents ausmacht? Eine paradiesische Ursprünglichkeit die wir in vielen Teilen der Welt aus der klimatisch bedingten Not heraus verlassen mussten, aber die Afrikaner eben nicht?!

Und so beschreibt die Schriftstellerin des oben erwähnten Buches auch die Dinge treffend, als sie das Unverständnis eines weißen Farmers über die Arbeitsmoral der Kikuyu von einem aufgeschlossenen, weißen Vorarbeiter so erklären lässt:

“Ever seen lions on the plains, Jo?”
“Yes”
“Ever watch the sunset at Thika?”
“You insane, man? Of course I have. I live there, don’t I?”
“That’s why”
“Eh?”
“That is why the Africans won’t take our money. What would they do with it? Buy tea sets and jam pots and pictures of the king? Why would they want that rubbish? They have Africa.”

(The winter rose - Jennifer Donnelly)



Das die Kolonialisierung und mit ihr einhergehende zwangsweise Industrialisierung dann Dinge verändert hat und Afrika gemessen am Industrialisierungsstand in der Welt als Entwicklungskontinent kategorisiert wurde, ist Realität.

Ich will auch nicht einen Urzustand idealisieren, der sicherlich nur in bestimmten Bereichen perfekt ist.
Vielleicht liegt die besondere Wertschätzung des “Ursprünglichen” gerade in den Erfahrungen, die die westliche Welt durch die Entwicklungen der letzten 200 - 500 Jahren gemacht hat.
Die Wertschätzung einer Natur die noch nicht bis ins letze von den Menschen ausgebeutet und kontrolliert wird. Ein Wildnis die dem Bild entspricht, das wir von einer Welt vor 50 TSD Jahren haben.
Das Wissen was passiert, wenn man seine Naturressourcen einer schnell anwachsenden Bevölkerung und seinen Bedürfnissen unterordnet.

Obwohl die meisten Afrikaner eine große Liebe zu ihrem Kontinent empfinden ist es meist nicht die Wildnis mit der sich viele identifizieren wollen und idealisiert werden ganz andere Dinge als ich es hier darstelle.
Aus den Blickwinkel eines Afrikaners, der nicht wie meine Familie nur in 6. Generation diesen Kontinent bewohnt, sondern schon immer, ist das was Europa und die westliche Welt erreicht haben durchaus erstrebenswert.

Mit dem Hintergrund einer europäischen Erziehung hingegen, und der Kenntnis des Drucks, den die ständig wachsen müssenden Märkte einer Industriegesellschaft auferlegen, verstehe ich woher die tiefe Sehnsucht nach der unbelasteten Natur, nach Freiheit und Abenteuer, nach dem einfachen Leben rührt.
Hier in Afrika kann man all dies noch erleben, weswegen der Kontinent wohl mehr als jeder andere Ort der Welt Dichter und Poeten inspiriert hat. Aber nicht nur solche. Das wissen wir von der hundertfachen Bestätigung unser Kunden....

"There is something about safari life that makes you forget all your sorrows and feel as if you have drunk half a bottle of champagne - bubbling over with heartfelt gratitude for being alive." - Karen Blixen 

"People talk of the sacrifice I have made in spending so much of my life in Africa. Away with the word sacrifice. Say rather it is a privilege." - David Livingstone