20 Jahre Freiheit für Nelson Mandela - Ein Leben für Freiheit und Versöhnung
Ralph Schulze - 12. August 2010 - 12:35
Vor nun über 20 Jahren, am 11. Februar 1990, war es endlich soweit: Nelson Mandela wurde nach 27 Jahren Haft aus dem Gefängnis entlassen. Ein bewegender Moment und der Beginn einer neuen Zeitrechnung, nicht nur für Südafrika und seine Menschen, sondern für den ganzen Afrikanischen Kontinent. Dieser Tag und die Amtseinführung Mandelas als erster demokratisch gewählter Präsident Südafrikas, werden wohl für immer im Gedächnis der Regenbogennation verankert bleiben und in vielen Jahren noch für Gänsehaut sorgen, so auch der Gewinn der Rugby-WM 1995.
Tate Madiba, wie ihn seine Freunde und Anhänger liebevoll nennen, ist sicherlich einer der wichtigsten Politiker unserer Zeit, eine besondere Persönlichkeit mit außergewöhnlicher, menschlicher Größe. Wenn es eine besondere Begabung zu wahrem und großem Menschentum gibt, dann besitzt sicherlich Mandela diese geniale Gabe. Der wohl bekannteste Sohn Afrikas und Friedensnobelpreisträger hat nicht nur sein Leben dem beharrlichen Kampf gegen Unterdrückung und Rassismus geopfert, er gilt auch als Symbol für die Menschlichkeit Afrikas, für die Gleichberechtigung aller Menschen, Freiheit und Versöhnung. Mandela ging nicht als gebrochener Mann in die Freiheit, er verließ das Gefängnis aufrecht, voller Würde und bewies insbesondere mit seiner Politik der Versöhnung dann wahre Größe. In seinem Buch "Der lange Weg zur Freiheit" schrieb Mandela: "Als ich aus dem Gefängnis ging, machte ich es mir zur Aufgabe, sowohl die Unterdrückten als auch die Unterdrücker zu befreien". Das Gedicht „Invictus“ des englischen Poeten William Ernest Henley spendete Mandela während seiner langen Haftzeit auf Robben Island immer wieder Kraft und Hoffnung. Invictus bedeutet übersetzt so viel wie „unbezwungen" und ist auch der Titel des Spielfilms, der im Februar in den deutschen Kinos lief und wohl inzwischen auch auf DVD zu haben ist. Obwohl der Film nur einen ganz bestimmten Zeitraum im Leben Mandelas beleuchtet, ist die Auswahl des Themas wirkungsvoll, denn die Ereignisses um den Rugby World Cup 1995 in Südafrika demonstrieren Mandelas politisches Wirken und seine Persönlichkeit sehr anschaulich. Die Rugby-Nationalmannschaft Südafrikas gewann damals sensationell den WM-Titel gegen den Favoriten Neuseeland, mit einer Mannschaft, der Experten höchstens das Erreichen des Viertelfinales zugetraut hatten. Kurz nach dem Ende der Apartheid und den ersten demokratischen Wahlen in Südafrika ist die Kluft zwischen Schwarz und Weiß noch immer groß und das ganze Land befindet sich im Umbruch. Rugby war in den Augen der meisten Südafrikaner schon immer der Sport der Unterdrücker und es gab kaum Sympathien für die "Springboks". Nelson Mandela sieht hier eine Chance und stellt sich als Präsident hinter das Team, in dessen Reihen sich nur ein einziger Schwarzer befindet. Er nähert sich der Mannschaft und beeindruckt mit seiner Ausstrahlung insbesondere den Teamkapitän Francois Pienaar, der sozusagen Mandelas Botschafter wird und ihm helfen soll das Land zu vereinen. Mit dieser Kraft, der Inspiration Mandelas und unterstützt von "43 Millionen Fans" gelang dem Team das Unmögliche. Ein ganzes Volk versank im kollektiven Freudentaumel und die Gratulation Mandelas bei der Übergabe des Pokals im Ellis Park Stadion Johannesburg hatte nicht nur für Francois Pienaar eine ganz besondere Symbolik. Die Dynamik und emotionale Tiefe dieses Ereignisses zu solch einer für die Menschen Südafrikas so bedeutenden Zeit, lässt sich für uns nur andeutungsweise nachvollziehen, wenn wir an den Gewinn der Fußball-Weltmeisterschaft 1954 und dem Fall der Mauer gleichzeitig denken. Aus kommerziellen Gründen zwar in den Hauptrollen mit Hollywood-Stars besetzt, wurde der Film an Originalschauplätzen gedreht und ist nicht nur ein Sport- oder Heldenepos. Der Film spiegelt sehr gut die besondere Situation Südafrikas in dieser Zeit und die Bedeutung Mandelas für ganz Südafrika und das südafrikanische Volk wider. Sehenswert, nicht nur für Südafrika-Fans.
"Invictus"
by William Ernest Henley (1849–1903)
Out of the night that covers me,
Black as the pit from pole to pole,
I thank whatever gods may be
For my unconquerable soul.
In the fell clutch of circumstance
I have not winced nor cried aloud.
Under the bludgeonings of chance
My head is bloody, but unbowed.
Beyond this place of wrath and tears
Looms but the Horror of the shade,
And yet the menace of the years
Finds and shall find me unafraid.
It matters not how strait the gate,
How charged with punishments the scroll,
I am the master of my fate:
I am the captain of my soul.

